Wieso wir nicht von Flinta sprechen

Da im linken Umfeld sehr häufig der Begriff „FLINTA“ benutzt wird und viele eigentlich gar nicht genau wissen, was er bedeutet, dachten wir, wir erklären ihn euch und erklären euch auch gleich warum wir diesen Begriff ablehnen.

Begriffserklärung
FLINTA ist eine Abkürzung für Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans und Agender. Der Begriff geht zurück auf Frauenräume, aus denen sich später Frauen-Lesbenräume entwickelten, um auch Lesben zu inkludieren. Zur Inklusion von trans Menschen wurde der Begriff um zusätzliche Buchstaben erweitert.
Endo = nicht intergeschlechtlich
Cis = nicht transgeschlechtlich

Seit einigen Jahren wird der Begriff in linken Räumen häufig verwendet, um alle vom Patriarchat unterdrückten Personengruppen in einem Wort zu vereinen. So ist beispielsweise davon die Rede, FLINTA-Personen wären so und so oft Opfer von sexualisierter Gewalt, würden so und so viel weniger verdienen als (endo cis) Männer, etc. Hier werden Frauen betreffende Fakten und Statistiken einfach genommen und ein anderes Wort dafür benutzt.

Und damit sind wir auch bei unserem ersten Kritikpunkt angekommen: „FLINTA“ wird einfach nur als Ersatzwort für „Frauen“ verwendet. Das führt zu einer unkonkreten und oft einfach falschen Analyse, bspw indem man bei Statistiken einfach Frauen durch FLINTA ersetzt oder indem man frauenfeindliche Gewalt allgemein auf „Gewalt gegen FLINTA“ reduziert.

2. Kritikpunkt
Mit dem Wort „FLINTA“ werden verschiedene Unterdrückungmechanismen zusammengeworfen. Frauenfeindlichkeit, Transfeindlichkeit und Interfeindlichkeit haben ihren Ursprung natürlich alle im Patriarchat, aber unterscheiden sich trotzdem stark voneinander. Zum Beispiel hat ein inter Mann mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als eine lesbische Frau. Kämpfe zu verbinden ist wichtig, und der Kampf gegen das Patriarchat vereint uns alle. Trotzdem (oder genau deswegen) ist es wichtig, verschiedene Diskriminierungsformen klar zu benennen und zu analysieren. Auch wenn sie alle vom Patriarchat stammen, ist das Patriarchat im Wesentlichen trotzdem die gesellschaftliche Vormachtstellung von Männern über Frauen.

3. Kritikpunkt
Menschen die nichts mit der linken „Szene“ zu tun haben, wissen oft gar nicht, was der Begriff bedeutet. Mit jedem „szeneinternen“ Begriff steigt die Hemmschwelle für Menschen, die nicht Teil der „Szene“ sind, aktiv zu werden. Reden und Demosprüche, welche vor allem an Passantinnen gerichtet sind, verlieren schnell ihren Sinn, wenn die Passantinnen nicht einmal wissen, worum es geht.

4. Kritikpunkt
Wir haben das Gefühl, dass das Wort „Frau“ inzwischen einen leicht negativen Unterton bekommen hat. Auch auf unseren Demos wurde schon der Spruch „Frauen die kämpfen, sind Frauen die leben“ mit „FLINTAs die kämpfen, sind FLINTAs die leben“ überstimmt. Frauen machen immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung aus und es sollte vor allem an feministischen Tagen möglich sein, spezifisch Frauen hervorzuheben. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass andere Diskriminierungsformen vernachlässigt werden sollten.

5. Kritikpunkt
„FLINTA“ schafft ein falsches Gefühl von Inklusivität. Frauenräume sind nicht automatisch für Lesben, inter, nichtbinäre, trans und agender Menschen inklusiv, nur weil man sie in FLINTA-Räume umbenennt. Genauso ist beispielsweise eine FLINTA-Party nicht automatisch ein Safe Space für Frauen. Außerdem ist es sowieso nicht immer sinnvoll, in einem Raum so viel wie möglich zu vereinen. Frauenräume haben ihre Daseinsberechtigung, genauso wie Transräume, etc.

Flinta-Räume werden oft als Orte beschrieben, in denen „FLINTA“ sich keine Sorgen vor Übergriffen durch Männer machen müssen. Das impliziert, dass man Frauen bzw. „FLINTA“ übergriffiges Verhalten nicht „zutraut“ oder diese nicht in der Lage dazu wären und ein Raum ohne Männer komplett sicher sei. Dabei inkludiert der Begriff „FLINTA“ trans und inter Männer. Diese werden dabei entweder komplett vergessen, oder unter dem Begriff als „Frauen light“ mitgemeint.

Bei vielen Themen, die vor einem halben Jahrhundert kaum Relevanz im linken Diskurs hatten, wird heute versucht, sie so unkompliziert wie möglich in bestehende Analysen zu zwängen. Egal ob FLINTA, „weiblich/männlich gelesen“ oder „weiblich/männlich sozialisiert“, nichts davon ersetzt eine wirkliche inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Patriarchat und seinen Auswirkungen sowohl auf Frauen allgemein als auch auf trans und inter Menschen im Besonderen.

Unsere Vorschläge:
Wir halten es für am sinnvollsten, einfach konkret zu benennen, was man meint. Beispielsweise richten wir unseren Aufruf für die jährliche Reclaim the night-Demonstration an Frauen und alle anderen, die sich Nachts aufgrund von geschlechtsspezifischer Gewalt unsicher fühlen.
Wir wollen natürlich niemandem vorschreiben, wie sie oder er zu reden hat. Deswegen ist dieser Text letztendlich auch nur ein Denkanstoß.

Frauen die kämpfen, sind Frauen die leben! Lasst uns das System aus den Angeln heben!

Gedenken zur Aktion T4

Vor fast drei Wochen jährte sich der größte Transport von chronisch und psychisch kranken sowie behinderten Personen von Regensburg Karthaus-Neuprüll nach Schloss Hartheim Nähe Linz im Rahmen der T4 Aktion zum 85. Mal.

Ab 1933 wurden über 500 Patienten der Anstalt zwangssterilisiert. Zwischen dem 4. November 1940 und dem 5. August 1941 gingen fünf Sammeltransporte direkt von Regensburg in die NS-Tötungsanstalt Hartheim, wo 642 Patienten aus Regensburg in der Gaskammer ermordet wurden. Nach dem Ende der Deportationen starben noch einmal rund 950 Patienten an Hunger, Kälte und Verwahrlosung in der Anstalt.

An diese schlimmen Taten erinnert auf dem Gelände des Bezirksklinikums ein Denkmal. Dieses wurde einige Tage vor den Jahrestag am 16./17.Mai von Unbekannten beschädigt. Egal ob aus Zerstörungswahn oder ideologischen Gründen, wir dürfen nicht wegschauen!
Der Staat baut gerade rapide das Sozialsystem ab, am meisten betroffen davon sind behinderte und chronisch kranke Menschen. Es gibt Pläne in verschiedenen Bundesländern in Deutschland, psychisch kranke Personen auf Listen setzen zu lassen.

Um verhindern zu können, dass Dinge wie die T4 Aktion noch einmal passieren, müssen wir uns geschlossen gegen Ableismus stellen und an der Seite der behinderten, psychisch und chronisch kranken Menschen kämpfen – diese sollten den Kampf gegen ihre Ausgrenzung und Verwahrlosung nicht alleine führen müssen!
Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Statement zur „abstrakten Bedrohungslage“

Der CSD am 28. Juni 2025 findet weiterhin wie geplant statt!

Die Route der Veranstaltung von Queeres Regensburg e.V. wurde aufgrund einer „abstrakten Gefahrenlage“ erheblich verkürzt.
Auch wir wurden von den Cops auf die Gefahrenlage aufmerksam gemacht. Es handelt sich um eine auf TikTok veröffentlichte Drohung, mit dem Auto einen Anschlag auf einen CSD zu verüben.
Diese Drohung ist jedoch nicht konkret auf Regensburg oder ein bestimmtes Datum bezogen, auch wenn einige Zeitungsartikel dies suggerieren.

Wir respektieren die Entscheidung von Queeres Regensburg e.V., halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass sich diese Drohung auf einen der Regensburger CSDs bezieht. Wir finden es wichtig, uns nicht von Rechten einschüchtern zu lassen, sondern jetzt erst recht laut und sichtbar auf die Straßen zu gehen.
Deswegen werden wir den CSD am 28. Juni weiterhin mit Laufdemo ab dem Bahnhof und stationärer Versammlung von 16 – 20 Uhr am Haidplatz durchführen. Trotzdem haben wir die Route angepasst, um das Risiko zu minimieren.

Wir möchten außerdem klarstellen, dass die Bedrohung für CSDs in Deutschland aktuell ganz klar von rechts ausgeht. In ländlicheren Regionen wurden diesen Monat CSDs schon bedroht, nicht von „bösen“ Migrant*innen, sondern immer von Nazis. Wie so oft wird der steigende Rechtsruck vorallem von den Medien heruntergespielt und auf die angebliche Islamisierung Deutschlands verlagert. Alle Angriffe oder Drohungen gegen CSDs und andere queere Veranstaltungen der letzten Zeit gingen von Nazis aus.

Wir werden uns nicht von Rassist*innen wie dem Chefredakteur der Mittelbayerischen Zeitung für ihre Abschiebefantasien instrumentalisieren lassen.
Wir stehen fest an der Seite von unseren queeren migrantischen Geschwistern, die von queerfeindlichen Faschos genauso und noch deutlich stärker bedroht sind!

Unternehmen stoppen LGBT-Unterstützung

In der letzten Zeit haben viele Unternehmen gezeigt, wie wichtig ihnen Diversität wirklich ist. Sei es das Streichen von Frauenquoten, den Stop von CSD-Sponsorings, und vieles mehr – am Ende ist Profit eben wichtiger. Das sind keine Einzelfälle, sondern die logische Konsequenz eines kapitalistischen Wirtschaftssystems, in dem Profit erwirtschaftet werden muss. Wir sagen es schon immer, und werden es auch weiterhin sagen: Verlasst euch nicht auf Unternehmen, Parteien oder den Staat, denn sie werden uns nur so lange „unterstützen“, wie es sich für sie rentiert.

Stolpersteine in Regensburg – Die Leben der Opfer des Nationalsozialismus

Wir dürfen die Opfer des Nationalsozialismus nie vergessen und die Verbrechen der Nazis nie vergeben.
Nie wieder Faschismus, Nie wieder Krieg!

Die Geschichten der Menschen, für die in Regensburg Stolpersteine verlegt wurden, lassen sich auf stolpersteine-regensburg.de nachlesen.

Quellen:
Familie Brandis
Max Massinger
Klara Hellmann
Mathilde Neuhaus
Ludwig und Sofie Bloch
Max Tröster
Familie Freising
Klara und Rosa Einsiedler
Bella und Julie Ehrlich, Familie Nussbaum

Hostile Architecture – Wenn Architektur Menschen vom Stadtbild vertreibt

Wie zynisch ist es, völlig unbenutzbare Bänke direkt neben dem Luxusklo am Schwanenplatz zu installieren? Genau dort, wo die Stadt Regensburg erst eine Bank errichtet hatte, diese aber, nachdem sie von Obdachlosen als Schlafmöglichkeit genutzt wurde, wieder entfernen ließ. Unter dem Toilettenhäuschen des Luxusklos, wo von der Stadt Regensburg inzwischen drei mal Bänke entfernt wurden, die solidarische Aktivist*innen nachts dort aufgestellt hatten.
Der Künstler, der nicht aus Regensburg kommt, wird von den Streitigkeiten am Schwanenplatz vermutlich nichts mitbekommen haben, dennoch wirkt die Platzierung genau dort wie ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die auf tatsächlich benutzbare Bänke angewiesen sind. Diese werden von der Stadt mittels Hostile Architecture systematisch aus dem Stadtbild verdrängt.

Was ist eigentlich Hostile Architecture?
Hostile Architecture, zu deutsch “Defensive Architektur”, ist eine Architektur von Städten, die entwickelt wurde, um bestimmte Personengruppen, vor allem obdachlose Menschen und Suchtkranke, davon abzuhalten, im öffentlichen Raum lange zu verweilen und auch zu schlafen. Es gibt unterschiedliche Typen der Hostile Architecture, die nachfolgend weiter ausgeführt werden.

Einer der häufigsten Arten der defensiven Architektur sind Liegeflächen, gerade Sitzbänke, so zu gestalten, dass man nicht mehr darauf liegen kann. Das Liegen wird durch Lehnen, die die Liegefläche blockieren und ungerade Formen (Schrägen, Kurven in der Sitzfläche, kugelförmige Sitzflächen, etc.) unmöglich gemacht. Ein Beispiel ist die spiralenförmige Sitzbank in der Schwarzen-Bären-Straße. Andere Flächen, die man als Liegeflächen nutzen könnte, werden mit Dornen und spitzen Bolzen unbenutzbar gemacht.
Weitere Maßnahmen gegen Obdachlose sind Sprinkler-Anlagen, Einzäunung von überdachten Liegeplätzen (z.B Brücken) und laute Musik in Bahnhöfen. Letzteres soll auch Suchtkranke abschrecken. Speziell für diese Personengruppe wird das Blaulicht in öffentlichen Toiletten eingesetzt, um das Spritzen von Substanzen zu erschweren, denn Venen werden bei diesem Licht unsichtbar. Das wird beispielsweise in der öffentlichen Toilette am Neupfarrplatz eingesetzt.
Es gibt auch für Jugendliche eine bestimmte Maßnahme: Gerade in jungen Jahren kann man Ultraschall noch besser hören. Mit speziellen Ultraschall-Geräuschsendern sollen Jugendliche von bestimmten Orten vertrieben werden. Diese Geräte kamen ursprünglich aus Großbritannien, werden aber zunehmend auch in Deutschland eingesetzt.

Unsere Rede zum antikapitalistischen 1. Mai 2024

Ob Bauernproteste, Demos gegen die Ampelregierung und die Inflation, Kritik an teils unnötig autoritären Coronamaßnahmen oder Proteste gegen Waffenlieferungen: das mediale Bild jeder größeren Protestbewegung der letzten Jahre ist rechts dominiert.
Woran liegt das?
Obwohl all diese Proteste klassisch linke Themen sind oder zumindest sein könnten und es aktuell offensichtlich eine große Protestbereitschaft in der Bevölkerung gibt, haben wir uns als Linke bei diesen Protesten nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Anstatt linke und antikapitalistische Standpunkte in die Massenbewegungen zu tragen, haben wir gewartet, bis die Rechten die Demonstrationen gekapert haben, um uns erst dann in Form von Gegenprotest einzumischen.
Natürlich ist solcher Gegenprotest manchmal auch angebracht, vor allem wenn solche Demos von Rechtsextremen wie beispielsweise Nadine Alt organisiert werden, aber vielleicht hätten wir nicht so kontaktscheu sein dürfen und früher eigene Bewegungen ins Leben rufen sollen.
Vielleicht sollten wir in Zukunft bei Protesten nicht direkt jeden teilnehmenden Menschen dafür verurteilen, dass da irgendwo ein Nazi mitläuft, sondern dafür sorgen, dass eben dieser Nazi aus der Protestbewegung geschmissen wird.
Denn dass nicht nur Rechte bereit sind, auf die Straße zu gehen, sehen wir an den riesigen Anti-AfD Demos der letzten Monate.

Aber nicht nur bei Massenprotesten haben wir den Faschisten zu oft das Feld überlassen.
Auch beispielsweise auf Social Media-Plattformen wie TikTok schaffen es Rechte gezielt und organisiert durch Populismus insbesondere junge und bislang unpolitische Menschen zu erreichen.
Durch Kommunikationsstrategien wie Desinformation oder Verschwörungsideologien, rechtem Lebensgefühl statt Fakten, antidemokratischen Ressentiments und emotionalisierenden Slogans erreicht die AfD auf TikTok, Instagram, YouTube und Facebook dreimal so viele Menschen wie alle anderen Parteien.
Hier in Regensburg stehen hunderte Wohnungen leer und die AfD schafft es ernsthaft, Stimmen zu fangen mit Plakaten, auf denen „Abschiebung schafft Wohnraum“ steht?
Das kann doch nicht sein!

Aber während Rechte Massenabschiebungen planen, haben wir nichts besseres zu tun, als uns drüber abzufucken dass die Anti-AfD Demos nicht links genug sind, anstatt selbst was auf die Beine zu stellen.
Und es ist auch kein Wunder dass wir niemanden erreichen: Mit unserer Mate und unserer Szenezugehörigkeit spalten wir uns bewusst immer weiter von den „Bürgis“ ab, versuchen uns moralisch abzuheben und geben damit jeden möglichen Anknüpfpunkt für gemeinsamen Protest, gemeinsame Kämpfe gegen Rechts, gegen die Inflation oder für andere soziale Themen auf. Wenn Antikapitalismus mehr Lifestyle als Perspektive ist, dann ist es kein Wunder, dass da niemand Bock drauf hat!
Warum gibt es überhaupt so etwas wie ein „linke Szene“? Als wäre links sein ein Randphänomen, eine Subkultur, oder eine Modeerscheinung und nicht der Kampf für eine Welt in der alle Menschen befreit leben können.
Und diese linke Szene hat auch noch einen so schlechten Ruf wie noch nie.
Das ist natürlich nicht nur unsere Schuld: Denn wenn beispielsweise rechte und konservative Kräfte legitimen, friedlichen Protest für die schlichte Einhaltung der versprochenen Klimaziele als „Terrorismus“ bezeichnen und linke Bemühungen im Kampf gegen Rechts als „Linksextremismus“ framen, was auch immer genau das sein soll, prägt das das gesellschaftliche Bild natürlich.

Doch anstatt dass wir alles daran setzen, dieses Bild zu ändern, uns innerhalb unserer Klasse zu solidarisieren und uns für die Menschen einzusetzen, die wir immer so schön als Arbeiter*innen oder Proletariat betiteln, spalten wir uns in kleinkriegerischer Manier untereinander auf, bis linke Kräfte nur noch belächelt werden. Wir gehen soweit in unserem heiligen Ziel unsere Inhalte nicht zu verwässern, ja keinen Millimeter von unserem Standpunkt abzuweichen und alle die nicht 100% mit der eigenen Ideologie übereinstimmen, abzuwerten, dass wir ganz vergessen wer unsere wirklichen Feinde sind. Unsere Feinde sind nicht Anarchist*innen oder Kommunist*innen, mir steht dieser Konflikt mittlerweile echt bis hier! Das heißt natürlich nicht, dass wir uns nicht von reaktionären, vermeintlich linken Strömungen abgrenzen sollten, seien es TERFs, Israel-Supporter, oder sonst irgendwer, aber vielleicht sollte man sich nicht wegen jeder kleinen Meinungsverschiedenheit darüber, wie die perfekte Utopie jetzt auszusehen hat, an die Gurgel gehen. Am Ende nützt es nur der herrschenden Klasse; den Menschen, die sich ins Fäustchen lachen, wenn sie sehen, wie wir uns gegenseitig zerfleischen. Denn unser wirklicher Feind ist eben diese herrschende Klasse, die reaktionären Kräfte, die dieses System aufrechterhalten, all die Milliardäre, die uns ausbeuten und versuchen, uns zu beherrschen. Unsere Feinde sind die Nazis, die gerade in Parlamenten immer mehr Zuspruch bekommen, sich immer sicherer auf den Straßen fühlen und mal ganz nebenbei offen zugeben, Millionen Menschen abschieben zu wollen. Das sind unsere Feinde, gegen die wir geschlossen, zusammen mit all den Arbeiter*innen, allen, die sich uns anschließen wollen, vorgehen sollten.

Das klingt jetzt alles sehr negativ und wir wollen am 1. Mai eigentlich gar keine so entmutigende Rede halten. Schließlich ist es immer noch der Kampftag der Arbeiter*innen. Und es ist noch lange nicht alles verloren. Schaut euch mal um. Wir sind so stark und so viele.
Wir wollen mit allen Gruppen, die hier heute versammelt sind, Seite an Seite für eine bessere Welt kämpfen. Wenn jeder Mensch, der hier heute mit der Überzeugung auf die Straße geht, die Welt ein Stückchen solidarischer zu gestalten, nicht nur heute laut ist, sondern sich jeden Tag entschlossen gegen dieses System stellt, sind wir so viel stärker als wir denken.
Und dann werden wir wirklich irgendwann gemeinsam darüber streiten können, welche Stadt wir uns wünschen, welches Leben wir für uns alle wollen, wer wir sein wollen.
Also lautet unser Aufruf: organisiert euch! Kämpft laut für eine bessere Zukunft und schließt euch zusammen, denn gemeinsam sind wir viel stärker!

Und wenn wir alle jeden Tag laut auf die Straße gehen, werden wir nicht nur den Rechten in diesem Land die Stirn bieten können, sondern gemeinsam dieses System stürzen.

Protest gegen die Beschlagnahmung des Schildes „Björn Höcke ist ein Nazi!“

Stellungnahme des Bündnis antikapitalistischer 1. Mai Regensburg.

Als Bündnis antikapitalistischer 1. Mai Regensburg protestieren wir gegen die Beschlagnahmung des Schildes „Björn Höcke ist ein Nazi“ durch die Polizei. Während der Zwischenkundgebung unserer Demonstration am Bismarckplatz hat die Regensburger Polizei eine teilnehmende Person mit der Begründung einer angeblichen Beleidigung aufgefordert, das Schild abzugeben. Der Widerspruch, dass es dazu verschiedene Urteile und Einstellungen von Staatsanwaltschaften gibt, wurde nicht akzeptiert. Die Sachlage müsse geprüft werden und wurde inzwischen an die Staatsanwaltschaft übergeben. Die Regensburger Polizei weiß scheinbar nicht, dass in mehreren Bundesländern Ermittlungsverfahren wegen Verwendung genau dieser Parole eingestellt worden sind.

Für uns hingegen ist klar, dass Björn Höcke ein Nazi ist. Schon 2019 urteilte das Verwaltungsgericht Meiningen in einem Eilverfahren, dass es statthaft ist, Höcke als Nazi zu bezeichnen. Weiter ging es mit einer Verfügung der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main 2023. Nach Aussagen der Ermittler*innen handelt es sich bei der Aussage nicht um eine Beleidigung, sondern um „ein an Tatsachen anknüpfendes Werturteil“, das von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Der Betroffene habe sich in den letzten Jahren ausweislich einer Vielzahl von Presseveröffentlichungen in eindeutig nationalistisch-völkischer Weise mit rassistischen Anklängen und unter Hervorhebung eines natürlichen Führungsanspruchs der Deutschen geäußert und sich dabei immer wieder Formulierungen bedient, die zum Standardvokabular der Vertreter des Nationalsozialismus vor Mai 1945 gehörten.

Auch die Berliner Polizei musste bei einer Kundgebung von Antifaschist*innen gegen die AfD und die Desiderius-Erasmus-Stiftung am 16. März 2024 nach einer widerrechtlichen Beschlagnahmung von Schildern diese auf Anweisung der Staatsanwaltschaft zurückgeben.
Wir verurteilen die Maßnahme der Regensburger Polizei auf das Schärfste und fordern die Herausgabe des Schildes sowie die Einstellung der Ermittlungen!

Rede zum Christopher Street Day

TW: Queerfeindlichkeit, Angriffe, Suizid

1969, also vor etwas mehr als 50 Jahren, wurde im Stonewall Inn, der euch hoffentlich allen etwas sagt, eine Razzia durch die amerikanische Polizei durchgeführt. Zu dieser Zeit war das nichts Ungewöhnliches, ungefähr einmal im Monat kamen dort Razzien vor, bei denen Besucher*innen von Kneipen mit queerem Zielpublikum kontrolliert oder sogar festgenommen wurden.
Aber an einem Tag ließen sich die Menschen die Schikane nicht mehr gefallen. Mit Pflastersteinen und Glasflaschen wehrten sie sich gegen die Polizei. Erst nach 5 Tagen und mehreren Demonstrationen konnte der Aufstand niedergeschlagen werden.
Heute feiern wir dieses Ereignis in Form des Christopher Street Days.
Wir feiern die Rechte, die wir uns in den letzten Jahren erkämpft haben und demonstrieren gegen die immer noch existierende Queerfeindlichkeit.

Heutzutage sind Rechte für Schwule und Lesben weitestgehend anerkannt und gefeiert. Klingt super, oder? Warum brauchen wir also noch einen Tag der Sichtbarkeit, wenn queere Menschen doch scheinbar sowieso überall ein Thema sind und wir in einer so aufgeklärten Gesellschaft leben?

Hier mal ein paar Fakten: In 69 Staaten wird Homosexualität immer noch strafrechtlich verfolgt, in 11 Ländern droht sogar die Todesstrafe. Dort werden queere Menschen für nichts als der Auslebung ihrer Sexualität ermordet.
2022 wurden 327 trans, nichtbinäre und gender-nonkonforme Menschen ermordet.
Die Dunkelziffer ist weit höher. Die Opfer sind überwiegend Menschen, die schwarz, indigen oder People of Colour sind.
In vielen Ländern verweigern staatliche Behörden und deren Exekutiven nicht nur jeglichen Schutz vor Anfeindungen und Gewalt, sondern sind direkte Akteure der Unterdrückung von queeren Menschen.
Viele Länder haben immer noch keine angemessenen Gesetze, die die Anerkennung des Geschlechts von trans Menschen ermöglichen. Dies führt zu unzähligen rechtlichen Problemen und Hindernissen, wie zum Beispiel fehlenden Möglichkeiten bei der Änderung des Geschlechtseintrags in Ausweisdokumenten oder dem Zugang zu Gesundheitsversorgung und geschlechtsangleichenden Maßnahmen.

Aber das waren ja nur Beispiele aus anderen Ländern, immerhin sind wir hier ja in Deutschland, einem so fortschrittlichen westlichen Industrieland.
Aber während sich in Deutschland auf den ersten Blick immer mehr Akzeptanz zu entwickeln scheint und die Anliegen von trans Personen breiter diskutiert werden, ist 2021 ein Höchststand von Morden an trans Personen gemeldet worden.
Vor allem diejenigen trans Menschen, die neben Transfeindlichkeit auch noch Rassismus erfahren, sind in Deutschland besonders gefährdet, schwere körperliche Angriffe bis hin zu Mordversuchen zu erfahren.
Zudem sind trans Menschen auch in Deutschland häufig mit Diskriminierung und Vorurteilen am Arbeitsplatz konfrontiert. Sie werden oft bei Einstellung und Beförderung benachteiligt, erleben Mobbing und Belästigung und haben ein höheres Risiko, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Trans Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Suizidgedanken.
41% aller trans Menschen haben in ihrem Leben einen Suizidversuch hinter sich.
Ich könnte jetzt noch viele weitere Statistiken anbringen, die nahelegen, dass queere Menschen auch in Deutschland immer noch nicht angstfrei leben können. Ich könnte die 1005 Straftaten im Bereich sexueller Orientierung aufzählen, die 227 Körperverletzungen innerhalb eines Jahres. Ich könnte erwähnen, dass die Zahl der Gewaltdelikte von 2022 im Vergleich zu 2021 noch weiter gestiegen ist.

Aber es braucht gar nicht noch mehr Zahlen um zu verdeutlichen, wie wichtig es immer noch ist, für queere Rechte auf die Straße zu gehen und dass es noch ein langer Weg ist, bis Proteste für Gleichberechtigung nicht mehr nötig sind.

Leider haben Firmen den CSD als Chance erkannt, Profite zu schlagen.
Heute auf der Demo waren die Firmen Vitesco, BMW und Infineon anwesend.
Was diese Firmen so machen, ist alles andere, als für queere Rechte zu kämpfen.
Infineon beispielsweise gehört zu Teilen dem Staat Kuwait, wo Homosexualität mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft wird.
Der Autozulieferer Vitesco gehört zum größten Teil der Familie Schaeffler. Die Schaeffler-Gruppe hat ihre Wurzeln im Nationalsozialismus, denn sie übernahm 1940 ein jüdisches Unternehmen, dessen Inhaber vor dem Nationalsozialismus fliehen musste.
Das selbe Unternehmen begann wenige Jahre später mit der Produktion von Waffen und Rüstung und setzte dabei auch Zwangsarbeiter ein.
Auch BMW hat massiv durch die Nationalsozialisten profitiert und dabei auch Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge genutzt. Heute spendet BMW Millionensummen an die transphobe CDU/CSU und ist Hauptsponsor der Thurn-und-Taxis Schlossfestspiele auf dem Gelände der homophoben und rassistischen Gloria.
Was genau haben solche Firmen auf einem CSD zu suchen?

Und auch Parteien haben den CSD als Möglichkeit erkannt, ihre Beliebtheit zu steigern.
Die SPD beteiligt sich beispielsweise sehr gerne am CSD, sogar die CSU hatte in der Vergangenheit in Regensburg schon öfter einen Stand. Beide Parteien waren bis zur letzten Wahl seit 2013, also 8 Jahre lang, in der Regierung. Während dieser Zeit haben sie nichts am transphoben und menschenunwürdigen Transsexuellengesetz geändert. Ganz im Gegenteil, erst 2021 haben diese Parteien gegen die Abschaffung des TSG und gegen ein Selbstbestimmungsgesetz gestimmt. Und jetzt, wo die SPD mit den Grünen und der FDP in der Regierung sitzt, warten wir auch schon seit Ewigkeiten auf ein Selbstbestimmungsgesetz.
Die CSU hat sich generell noch nie sonderlich durch die Unterstützung queerer Menschen ausgezeichnet. 2017 haben sie gegen die Homo-Ehe gestimmt, 2021 dann gegen das Selbstbestimmungsgesetz, dieses Jahr wollte die Münchner CSU Drag-Lesungen verbieten. Andi Scheuer hat sich sogar mit Ron DeSantis getroffen, dem Politiker, der in Florida gerade trans Menschen das Leben zur Hölle macht.

Wie dreist ist es also, dass diese Parteien, die in unserer Regierung sitzen und saßen und uns das Leben schwer machen, sich jetzt trauen, auf CSDs aufzutauchen und um unsere Stimmen zu betteln?
Wir fordern: Kein Stimmenfang für Parteien am CSD!

Wer sich abseits von Parteien noch gerne auf CSDs zeigt, um das Image aufzupolieren, ist die Polizei. Auf Social Media präsentieren sie sich mit Regenbogenflaggen und lassen sich auf queeren Veranstaltungen fotografieren. Und das, obwohl doch gerade der CSD an einen Aufstand gegen die Polizei erinnert! Und zwar sowohl in den USA, als auch hier in Deutschland. Denn während damals die Polizei in den USA queere Menschen in Bars verprügelte, spionierten Hamburger Bullen in den 70ern Schwulen auf Herrentoiletten hinterher.
Und immer noch ist die Polizei keine queerfreundliche Organisation.
Es hat sich selbstverständlich einiges verbessert, beispielsweise gibt es den Verband lesbischer und schwuler Polizeibeamter, der sich gegen Homophobie innerhalb der Polizei einsetzt.
Aber immer noch stellt die Polizei eine Bedrohung für uns dar. Letztes Jahr haben in Karlsruhe Cops beim CSD die Teilnehmer*innen homophob beleidigt. Auf stark gefährdeten CSDs in kleineren Städten mit stark ausgeprägter rechtsextremer Szene, wie beispielsweise letztes Jahr am CSD Plauen in Sachsen, lässt sich die Polizei dagegen gar nicht erst blicken.
Und erst dieses Jahr haben in Freiburg Polizist*innen auf Teilnehmende des CSD eingeprügelt.
Warum sollten wir darauf vertrauen, dass ausgerechnet sie uns schützen?

Die Polizei ist nichts anderes, als die ausführende Gewalt des Staates. Und können wir uns auf diesen Staat verlassen? Ich glaube kaum.
Nach neuesten Umfragen ist die AfD mit 20% die zweitstärkste Partei in Deutschland. Wenn in ein paar Jahren eine rechtsextreme Partei regiert, wird die Polizei nichts anderes tun, als deren queerfeindliche Gesetze durchzusetzen.
Natürlich wollen wir nicht hoffen, dass es überhaupt so weit kommt, aber aktuell ist das nicht auszuschließen. Es ist also ein großer Fehler, die Polizei in unsere Strukturen zu inkludieren, denn die Infos über queere Menschen, die sie dadurch erfahren, werden sie ohne zu zögern in ein paar Jahren an einen potenziell rechtsextremen Staat abgeben.
Es passiert sogar jetzt schon, vor allem in Sachsen und Thüringen, dass Polizist*innen Informationen über linke Menschen an Neonazis weitergeben.

Wir sind uns schon lange bewusst, dass die Polizei als Institution nicht mehr tragbar ist. Eine Berufsgruppe, bei der struktureller Rassismus, Queerphobie und ungerechtfertigte, gewaltvolle Ausschreitungen an der Tagesordnung sind, wird immer unvereinbar sein mit unserem Kampf für Gleichberechtigung und Freiheit.
Es ist sinnlos, an die Polizei als Institution Forderungen zu stellen, solange sie tagtäglich aktiv zur Diskriminierung und Hetze gegen queere Menschen beiträgt.
Die Polizei ist und war nie unser Freund und Helfer.
Und deswegen haben weder die Polizei, noch irgendwelche Parteien etwas auf dem CSD zu suchen!

Was sich zu guter Letzt also noch sagen lässt: Der Christoher Street Day ist ein Tag des Gedenkens, des Widerstands und des Kampfes. Die Befreiung von queeren Menschen kann weder durch Reformen innerhalb des kapitalistischen Systems, noch der Polizei oder bürgerlicher Parteien erreicht werden.
Wir können uns weder auf die Polizei, noch auf den Staat verlassen.
Informiert euch, wie ihr zum Beispiel ohne offizielle Erlaubnis an Hormone kommt, wir können uns dabei nicht auf irgendwelche Insitutionen verlassen, das sehen wir gerade in Florida.
Schließt euch mit euren Freund*innen zusammen, schaut, dass ihr heute nicht alleine heim gehen müsst. Die Polizei wird euch dabei nicht helfen, das haben wir hier letztes Jahr schon gesehen.

Organisiert euch, vernetzt euch, schließt euch zusammen.