CSD Regensburg 2025

Am Samstag, dem 28.06. fand zum 56-Jahrestag der Stonewall Riots der erste antikapitalistische Christopher Street Day in Regensburg statt. Damit sollte auf den weiterhin notwendigen Kampf für Rechte von queeren Menschen aufmerksam gemacht werden.

Die Demonstration startete um 15 Uhr am Hauptbahnhof. Nach einer Einführung durch Aufbruch Regensburg und einer Rede der Linksjugend solid bewegte sich der Demozug mit ca. 400 Teilnehmenden mit Pride-Flaggen, Transparenten und Sprechchören durch die Innenstadt Richtung Haidplatz, wo von 16 bis 20 Uhr der stationäre Teil der Demo stattfand. Beliebte Sprüche während der Laufdemo waren unter anderem „Queers die kämpfen sind Queers die leben – lasst uns das System aus den Angeln heben!“ und „We will not be quiet – Stonewall was a riot“.

Am Haidplatz gab es unter anderem Essen und Getränke kostenlos oder gegen freiwillige Spende, zur Verfügung gestellt von der Küche für alle (Küfa) bzw. Aufbruch. Mit Infoständen vertreten waren die Gruppen: MSV, Schülis gegen Rechts, Linksjugend solid, Solidarische Aufbruch Straubing, Queere Kunst, QAF Nürnberg sowie Studies gegen Rechts.

Das Bühnenprogramm der stationären Kundgebung bestand aus mehreren Reden und 2 Bands. Zum einen feministischer Rap der Band „Die Arschlöcherinnen“ zum anderen die Regensburger Punk Band „Erection“.

Den Anfang bei den Reden machte der solidarische Aufbruch Straubing. In der Rede ging es um FakeAllyship und um erstarkende rechte Angriffe.

Die nächste Rede – vorgetragen von Aufbruch Regensburg – warf einen Blick in die Vergangenheit und bot einen historischen Überblick über die widerständigen sowie klassenkämpferischen Ursprünge des Christopher Street Days. Des Weiteren wurde beleuchtet wie CSDs von Firmen, zum Zwecke der Image Aufpolierung, vereinnahmt werden und die Wichtigkeit der Rückeroberung betont.

In der darauffolgenden Rede ging es um die persönlichen Erfahrungen einer asexuellen und non-binären Person. Darum, wie verwirrend es war in einer Welt aufzuwachsen, in der romantische Bindungen gefühlt über allem anderen stehen. In der Rede wurde betont, dass wir als Gesellschaft überdenken müssen, wie wir ‚zwischenmenschliche Beziehungen eingehen‘ ansehen, da romantische Liebe eben nur eine von vielen Arten ist zu lieben. Die Person beschreibt es wie Folgt:

„Romantische Partner*innen sind bestimmt toll, aber eben auch nur eine von vielen zwischenmenschlichen Bindungen, die alle bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich wichtig sind.“

Die vierte Rede, vorgetragen von Marie, betonte, dass mit derzeit wachsender Gefahr für queere Personen es besonders wichtig ist safe(r) spaces aufzubauen und zu verteidigen. So wie 1969 für das Stonewall Inn gekämpft wurde. Besonders queere Kinder brauchen Sicherheit und queere Ansprechpersonen. Deshalb gründet Marie gerade den Verein Jung&bunt.

„Die Jugendgruppe „jung&bunt“ soll alle 2 Wochen im W1 zu einem Ort werden, an dem jedes Kind und jede*r Jugendliche*r, egal ob geoutet oder ungeoutet, egal ob queer oder geboren in einer queeren Familie Sicherheit und Ansprechpersonen finden.“

Als letzter Redebetrag vor dem ersten musikalischen Akt geplant war ein Poetry-Slam von den Studies gegen Rechts zum Tehma Queerness im Erwachsenenleben, dieser musste aufgrund von Krankheit leider ausfallen. Der Slam sollte damit abschließen, dass trans sein auch im Alter normal ist und trans Personen auch im späteren Leben noch trans sind und sie sich auch nicht verstellen wollen. „Aber vor allem will ich, dass junge queere Menschen wissen, dass wir existieren“.

Statt des Slams hörten wir eine Rede, in der damit aufgeräumt wurde, wie weit queere Rechte vermeintlich schon wären. Da Erfolge wie die gleichgeschlechtliche Ehe kein Jahrzehnt her sind und andere, wie das Selbstbestimmungsgesetz, jetzt schon wieder in Gefahr sind. Auch wurde das ausbaufähige Selbstbestimmungsgesetzes, vor allem was die systematische Ausgrenzung von trans Frauen aus Schutzräumen angeht, angeprangert. Ebenso wurde mit der Angstmacherei um trans Kinder und Jugendliche aufgeräumt und dafür plädiert, diesen Kindern zuzuhören, wenn sie über so grundsätzliche Aspekte ihrer Identität sprechen.

Nach dem Auftritt der feministischen nürnberger Rap Gruppe „die Arschlöcherinnen“ ging es weiter mit kämpferischen Reden.

Die nächste Person sprach von 100 Schmerzen und 100 Kriegen die geduldet werden. Und zeigte sich entsetzt, dass ausgerechnet Liebe zwischen Menschen das, ist was manche nicht ertragen.

Die darauf folgende Rede des Aufbruch Regensburg ging, unter einem „Queers for Palastine“ Banner, darauf ein, wie Solidarität für Palästina mit dem Kampf für Rechte queerer Menschen zusammenhängt. Für Menschen, die ums Überleben kämpfen müssen, ist es unmöglich, eine soziale Revolution durchzuführen. „Wir wollen nicht mehr Diversität bei der Bundeswehr, Frauen die uns zeigen, wie man Menschen erschießt, eine Annalena Baerbock in einer Führungsposition. Es ist keine Vielfalt darin, das Sterben für das Heimatland zu glorifizieren und hinzunehmen.“

Die letzte Rede des Abends hielt eine Person von Schülis gegen Rechts und warf die Frage, warum rechte Ideen, insbesondere Queerfeindlichkeit, sich weiter in der Geselschaft breit machen, während die Unterstützung durch Politik bzw. Unternehmen wegbrechen und Anfeindungen gegen Queers zunehmen, auf. Diese Frage wurde daraufhin mit „früher oder später setzt sich in dieser Welt leider das durch was am profitabelsten ist“ beantwortet. Die klassische Familienstruktur sei schlichtweg am profitabelsten. Queere Person stellen dieses Konzept in Frage, weshalb sie vom kapitalistischen System bedroht werden. Deshalb: „Queere Befreiung wie wir sie schon bei Stonewall forderten geht nur antikapitalistisch.“

Das Selbstbestimmungsgesetz sei zwar ein Zugeständnis der Politik, aber auf die Politik sei kein Verlass, da die nächste Amtszeit einfacher mit klaren Feindbildern erreicht werden kann. Weil diese den Kapitalismus begünstigen.

Von 19 bis 20 Uhr spielte die Regensburger Punk Band „Erection“.

Die Veranstaltung wurde ohne größere Zwischenfälle beendet. Wir danken allen, die dabei waren und mitgeholfen haben dieses Event möglich zu machen. Uns ist es ein persönliches Anliegen, nicht nur am 28.06. sondern immer auf Missstände hinzuweisen und hinter die glizernde Fassade der CSDs zu blicken und uns auf den Ursprung der „Queer Liberation“ zu beziehen. Niemand ist frei, bis alle frei sind von Unterdückung, Ausbeutung, Krieg und Hunger!